Schon 2013 sollen die ersten Datenbrillen des Projekts Google Glass ausgeliefert werden. Google Glass, so nennt sich das aktuell wohl aufregendste Projekt aus dem Imperium des Suchmaschinengiganten Google. Dabei handelt es sich um eine mit dem Internet verbundene Brille, die ganz normal getragen werden kann, jedoch den Zugriff auf Augmented Reality, also eine erweiterte Realität bietet.

Google Glass

Schon jetzt werden von vielen Seiten Vermutungen geäußert, dass Geräte wie die Google-Brille schon bald herkömmliche Smartphones ersetzen könnten. Denn über die Brille, die über Kamera, zwei Mikrofone und ein Mikrodisplay verfügt, das sich vor einem Auge befindet, können so gut wie alle Aktionen gesetzt werden, die heute auch mit einem Smartphone erledigt werden können. Dazu gehören etwa Videotelefonieren, Livestreams erstellen, Videoaufnahme, Fotografieren, Navigieren inkl. Anzeigen von POI (Points of Interest), Termin- und Kontaktverwaltung, Musik hören, Online-Bestellungen abgeben und auch Interaktion mit anderen Verwendern der Brille.

Das Projekt Google Glass wartet sohin mit einer großen Auswahl an Leistungen auf. Vorerst sollen jedoch nur Entwickler in den Genuss kommen, die Brille zu testen, die schon jetzt für 1.500 US-Dollar bei Google vorbestellt werden kann. Einer neuesten Einschätzung der New York Times zufolge soll die Brille für andere Nutzer aber wohl nicht vor 2014 zur Verfügung stehen.

Fortaleza & Vuzix: Die Konkurrenz wartet nicht!

Wenngleich die Ambitionen des Projekts Google Glass auf den ersten Moment einmal überwältigend scheinen und der Suchmaschinenkonzern wohl die besten Voraussetzungen hat, um ein Projekt wie dieses umzusetzen und das Produkt auch weltweit zum Must-have zu machen, ist Google nicht allein auf weiter Flur. Auch andere Entwickler sind dabei, ähnliche Brillen zu entwickeln.

Allen voran Microsoft wollen andere dem Google Projekt Glass nacheifern und wenn möglich sogar zuvorkommen. Microsoft hat dazu bereits ein Patent angemeldet, wobei aber schon jetzt durchgesickert ist, dass die Microsoft-Brille „Fortaleza“ in Punkto Funktionsumfang kaum mit Google mithalten können wird. Die Brille aus Richmond soll hauptsächlich dazu dienen, erweiterte Informationen im Rahmen von Events und Veranstaltungen zu erhalten und nicht gerade für Outdoor-Aktivitäten vorgesehen sein. Bis eine solche Brille also einmal ein Windows Phone ersetzen wird, wird es wohl noch einige Überarbeitungen geben müssen.

M100 von Vuzix

Ein kleinerer Anbieter könnte Microsoft aber sogar noch zuvorkommen. Denn der Hersteller Vuzix hat angekündigt, sein Datenbrillen-Modell M100 schon im Sommer 2013 auf den Markt zu bringen. Die M100 soll Anfang 2014 auf der CES-Messe in Las Vegas erstmals präsentiert werden. Die Rahmendaten lassen Technik-Fans euphorisch stimmen. Mit einem 1Ghz-Prozessor ausgestattet sowie einem Breitformat-Display, basiert die Brille auf Android 4.0 und soll schon für 600 – 700 US-Dollar erhältlich sein.

Neuer Markt für Entwickler!!

Dass Google seine Google Glass Brille in der ersten Phase nur für Entwickler freigibt, ist kein Zufall. Denn aktuell gibt es nur wenige Apps, die für die Brille verfügbar sind. Damit ergibt sich ein völlig neuer Markt für Entwickler, die in der nächsten Zeit gefragt sein werden, um die noch nicht abschätzbaren Einsatzmöglichkeiten und Anwendungsbereiche der Datenbrille auszuloten.

Bricht eine neue Ära an?

Spätestens, wenn man das Demonstrationsvideo von Google gesehen hat, könnte man rasch überzeugt sein, dass die Datenbrillen wohl bald das Smartphone ersetzen könnten, wenngleich es heute vielleicht auch noch schwer vorstellbar sein mag, dass wir uns bald mit futuristisch anmutenden Brillen durch Fußgängerzonen, Straßenbahn, Clubs und natürlich auch unser Zuhause bewegen. Doch auch in der Anfangszeit der Smartphones wurde die Größe der Geräte und der unnötige Funktionsumfang von vielen Seiten bekrittelt. Neuesten Studien zufolge wird aber aller Voraussicht nach statistisch gesehen bis 2018  fast jeder zweite Erdenbürger über ein Smartphone verfügen.

Auch der noch hohe Preis von rund 1.500 US-Dollar sollte kein Kriterium mehr sein. Denn einst konnten sich auch hier nur wenige vorstellen, Smartphones um die 1.000 US-Dollar auszugeben, bis Apple mit dem iPhone auf den Markt kam und bewies, dass es sogar einen Millionenmarkt dafür gibt. Darüber hinaus benötigen auch Google Glass sowie die Pendants von Microsoft, Vuzix & Co eine mobile Datenverbindung, womit davon auszugehen ist, dass auch Mobilfunkanbieter eingespannt werden und entsprechende Tarif-Geräte-Bundles schnüren werden.

Nie waren Uploads einfacher!

In der Ära der Datenbrille wird es einfacher denn je sein, Bilder, Videos und andere Inhalte zu erstellen und direkt online zu stellen. Und das sogar ohne Benützung der Hände und direkt aus der eigenen Perspektive. Zuletzt hatte Microsoft in Bezug auf seine Suchmaschine Bing bereits angekündigt, dass mit Einführung der Datenbrillen ein nie zuvor gesehener Datenstrom online gehen wird und auch die großen Suchmaschinen möglicherweise mit der raschen Bewertung der Inhalte und dem daraus folgenden Ranking in den Suchergebnissen überfordert sein könnten. In der Folge bemerkten Bing-Vertreter, dass ein Gutteil der Bewertung von Content daher auf die Nutzer selbst abgewälzt werden könnte, was bedeutet, dass Social Signals noch mehr Bedeutung bei der Suchmaschinenoptimierung erhalten könnten.

Datenschutz und Privatsphäre

So euphorisch man auf den ersten Blick vielleicht sein mag, wenn es um die neuen Innovationen im Bereich Augmented Reality geht, so machen sich doch auch Sorgen breit. Google etwa hat verlautbaren lassen, dass die Google-Brille alle 10 Sekunden automatisch Fotos machen kann – auch ohne Zutun des Trägers. Man sollte sich also wohl gut überlegen, in welchen Situationen man diese Brille tatsächlich trägt, da der Mensch mit dieser neuen Innovation wohl noch gläserner wird als heute bereits. Dennoch tut sich ein sehr spannendes und neues Feld auf, das zumindest aus heutiger Sicht das Potenzial zu haben scheint, auf einer Stufe mit Entwicklungen wie Google, Facebook oder dem Internet selbst zu stehen.